Mit diesem Stück kommt nicht nur das Landestheater Tübingen einmal wieder ins Stadttheater, sondern auch ein wahrer Literaturtheaterklassiker. Es das erste von Ibsens großen Gesellschaftsdramen, dem später „John Gabriel Borkman“ und „Ein Volksfein“ folgen. Zudem gilt dieses Werk als Geburt einer neuen dramaturgischen Gattung, dem Gesellschaftsdrama und damit als Beginn der modernen Dramatik überhaupt.
Der Konsul und Industrielle Karsten Bernicke ist hoch angesehen in der Gesellschaft und führt ein moralisch korrektes Leben aus Sicht der pietistischen Bürgerschaft. Doch gibt es einen dunklen Fleck in seiner Familie, ein Skandal, der damals aber lediglich organisiert war, um vom eigenen bevorstehenden Konkurs abzulenken. Die „Übeltäter“ tauchen auf und drohen mit Entdeckung. Bernicke ist nicht nur in Spekulationen um den Eisenbahnbau verwickelt, wovon seine wirtschaftliche Zukunft abhängt, sondern muss auch ein neues Schiff mit Sicherheitsmängeln vom Stapel lassen. Mit ebendiesem Schiff wollen nun die „Übeltäter“ nach dem Eklat wieder nach Übersee reisen. Hier beginnt die Doppelmoral und die Versuchung mit eisernen Faust zuzuschlagen.
Ein hochaktuelles Thema ist diese gefährliche Symbiose aus Gemeinwohl und Geschäftemacherei bei Prestigeobjekten, die Beeinflussbarkeit des politischen Willens durch Lobbyismus. Wie oft ist Profilierungs- und Gewinnsucht bereit verantwortungslose Risiken in Kauf zu nehmen. „Und ihr nennt euch die Stützen der Gesellschaft!“ Ja, denn „die Gesellschaft hat keine besseren“, das ist der Diskurs mit dem Ibsen uns konfrontiert.
Die Regisseurin Jenke Nordalm begeisterte das Publikum in Landsberg bereits mit „Paradies“ im Frühjahr 2011.
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