Kino

Abschied. Brechts letzter Sommer

  • Zur Aufführung DER KAUKASISCHE KREIDEKREIS durch das Berliner Ensemble am 27.02.18.
  • R: Jan Schütte – B: Klaus Pohl – K: Edward Kłosiński – M: John Cale – D: Josef Bierbichler, Monika Bleibtreu, Birgit Minichmayr, Jeanette Hain, Margit Rogall, Samuel Finzi, Tilman Günther – Deutschland 2000, L: 93 Min.

Der Film spielt im Sommer 1956 in der DDR. Bertold Brecht verbringt diesen Sommer in seinem Sommerhaus in dem Örtchen Buckow/Brandenburg. Es ist der letzte Ferientag, bevor Brecht wieder nach Berlin zurück muss, um die neue Theatersaison des Berliner Ensembles vorzubereiten. In seinem Sommerhaus sind sämtliche wichtigen Frauen aus seinem Leben zusammengekommen: seine Ehefrau Helene Weigel und die gemeinsame Tochter Barbara, die ehemalige Geliebte Ruth Berlau und seine aktuelle Geliebte Käthe Reichel. Der Garten grenzt an einen kleinen See, dort wird geschwommen. Die Gruppe plaudert, isst und trinkt, philosophiert über die Kunst, die Politik und über den Sinn des Lebens. Über all dem liegt die Melancholie des Abschieds. Vier Tage später stirbt Brecht in seiner Wohnung in Berlin. Es war eine geradezu geniale Idee, Sepp Bierbichler den Brecht spielen zu lassen. Auf den ersten Blick sieht er zu massiv aus, seine körperliche Präsenz wirkt stärker als die intellektuelle: Aber gerade damit wird die Widersprüchlichkeit dieses Mannes noch gravierender, lässt seine Krankheit ihn stets etwas eingebildet und allürenhaft aussehen. Bierbichlers optische Unähnlichkeit bewahrt den Film zudem vor jenem Imitations-Effekt, der so viele Biopics unterschwellig immer ein wenig zum Kuriosum macht. Auch alle weiteren Rollen sind mit hervorragenden Darstellerinnen besetzt und machen den Film zu einem unbedingt sehenswerten Erlebnis.