Kino

Wege des Lebens

  • Eine assoziative Reise durch Zeit und Raum, Vergangenheit und Erinnerung.
  • R+B: Sally Potter – K: Robbie Ryan – M: Sally Potter – D: Javier Bardem, Elle Fanning, Branka Katíc, Milena Tscharntke, Laura Linney, Salma Hayek – GB/USA 2020, L: 86 Min. FSK 0

Der Mittfünfziger Leo (Javier Bardem) öffnet nicht die Tür, als seine Haushaltshilfe klingelt, und er geht auch nicht ans Telefon, als seine Tochter Molly anruft. Als sie beide dann gemeinsam die Wohnung betreten, liegt Leo lethargisch im Bett, reagiert kaum und scheint verwirrt. Er leidet unter einer Hirnatrophie. Leo stammt aus Mexiko und war einst Schriftsteller. Nun lebt er seit über 30 Jahren in den USA und hat eine Wohnung in New York. Er will seiner Tochter Molly so viel erzählen, schafft es aber nicht, seine Gedanken zu ordnen. In seinem Kopf vermischen sich die Gegenwart und die Erinnerungen an verschiedene wichtige Ereignisse zu unterschiedlichen Zeitpunkten seines Lebens. Die Regisseurin Sally Potter arbeitet mit Rückblenden beziehungsweise mit Traumsequenzen. Diese Szenen in Leos Fantasie sind durch besonders intensive Farben oder weitaus schnellere Bewegungsabläufe in Kamera und Schnitt gekennzeichnet und zudem wesentlich künstlicher inszeniert. Momente im Hier und Jetzt werden betont realistisch dargestellt. Der Film lebt von Javier Bardems atemberaubender Performance, wenn er Leos Verzweiflung, Traurigkeit und seine Abwesenheit perfekt zum Ausdruck bringt. Dabei stimmt seine Unfähigkeit, sich vorwärts zu bewegen, absolut mit einem von Sally Potters Lieblingsthemen überein: Transition.