Kino

Exil

  • Immer mehr Migranten und Flüchtlinge fühlen sich in Deutschland nicht mehr ganz so wohl. Mit Recht?
  • R+B: Visar Morina – K: Matteo Cocco – M: Benedikt Schiefer - D: Mišel Matičević, Sandra Hüller, Rainer Bock, Thomas Mraz, Victoria Trauttmansdorff – Deutschland 2020, L: 120 Min. FSK 12

Um diese Frage kreist Visar Morinas großartiger Film EXIL in dem Mišel Matičević den eigentlich perfekt integrierten Kosovo-Albaner Xhafer spielt, der plötzlich an allem zweifelt. Er wohnt mit seiner Frau Nora (Sandra Hüller) und drei gemeinsamen Kindern in einer sehr deutschen Vorstadtsiedlung – und hat eine feste Anstellung in einem Pharmaunternehmen. Auf den ersten Blick könnte Xhafer nicht besser integriert sein, doch das Gefühl, irgendwie nicht richtig dazuzugehören nagt an ihm. Die E-Mail zu der Verlegung einer wichtigen Versammlung in seiner Firma hat er nicht bekommen. Ein Versehen? Vielleicht. Ein Kollege verlangt plötzlich Einsicht in Untersuchungsergebnisse. Reine Routine? Wer weiß. Spätestens wenn plötzlich der Kinderwagen vor dem Reihenhaus in Flammen steht, scheint klar: Jemand hat es auf Xhafer abgesehen. Mit bemühter Selbstbeherrschung versucht er dem gefühlten Mobbing auf den Grund zu gehen, zweifelt an sich, seiner Wahrnehmung, seinem Urteilsvermögen. Am Ende ist er ganz allein, irgendwie Teil der Gesellschaft, aber doch nicht richtig.