Theater

Der Schwed

  • Ein Märchen mit Musik für Kinder und Erwachsene
Veranstalter: Ruethenfestverein e.V.

„Könnten wir nicht versuchen, eine ganz neue Art Mensch zu werden? Wie aber sollte das geschehen, und wo sollte man anfangen? Ich glaube, wir müssen von Grund auf beginnen. Bei den Kindern.“ (Astrid Lindgren, 1978 in ihrer Rede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels)

Über dreißig Erwachsene, Jugendliche und Kinder aus Landsberg, Theaterprofis und Laien, haben sich zusammengefunden, um das Ruethenfestspiel 2019 zu gestalten. Die Vorbereitungen für das Stück begannen schon 2018, mit den Proben fingen die Teilnehmer im Februar 2019 an. Ein langer Weg also, bis es am 5.Juli heißt: Vorhang auf für die neue Produktion des Ruethenfestvereins.

 

DER SCHWED

Die Schweden belagern die Stadt. Die Landsberger wollen sich schon ergeben. Da ziehen die Belagerer unvermutet ab. Deshalb soll ein großes Fest gefeiert werden. Die Kinder gehen mit ihrem Lehrer in die Lechauen, um für das Fest Ruten zu schneiden. Sie geraten in ein schweres Unwetter, finden Zuflucht in einer alten Hütte. Im Gewitter erscheinen alle möglichen Bedrohungen, Ängste und Albträume der Kinder, Geister, der Tod, Figuren aus lokalen Sagen, Personen aus der Geschichte Landsbergs. Als das Unwetter vorüber ist, versucht der Lehrer den Kindern Mut zu machen. Er beschwört eine bessere Zukunft, die in ihren Händen liege, weist sie auf die Wunder der Schöpfung hin. Als sie sich auf den Heimweg machen, finden sie einen schwerverwundeten schwedischen Soldaten. Der Lehrer überzeugt die Kinder, diesen Soldaten zu retten und mit in die Stadt zu nehmen. Der Marktplatz der Stadt ist voller Leben. Alle sind erleichtert, dass die Schweden abgezogen sind, der Bürgermeister und der Pfarrer heften sich den Erfolg an ihre Fahne. Da erscheinen die Kinder mit dem Verwundeten. Große Aufregung und die Frage, was tun mit ihm.

Was weiter passiert, das zeigt das Ruethenfestspiel im Stadttheater, zu dem Sie herzlich eingeladen sind.

 

VERGANGENHEIT UND GEGENWART

Vergangenheit lässt sich auf sehr verschiedene Weise erzählen.

Auch das Ruethenfest selbst ist eine solche Geschichtserzählung, in der sich die Stadt ihrer Vergangenheit vergewissert, einige Höhepunkte wieder aufleben lässt und diese in einer kindlichen Perspektive spiegelt. Das Ruethenfestspiel hat im Lauf der Zeit viele sehr verschiedene Theaterformen gefunden: von den historischen Festspielen (Der Landsberger Bund, Kinder des Regenbogens) bis hin zu den phantastischen Stücken der Stelzer (Die Reise nach Damasia).

Diesmal kommt noch eine weitere Möglichkeit hinzu: eine fiktive, aber mögliche historische Begebenheit als Märchen mit Musik zu erzählen. Im Märchen finden wir „ hinter den sieben Bergen“ eine utopische Erinnerung. Sich zu erinnern, was nicht war, aber so hätte möglich sein können. Als das Wünschen noch geholfen hat. Und da Geschichte auch immer der ferne Spiegel ist, in dem wir uns fremd vorkommen, aber in dem wir uns erkennen, in dem wir erkennen, woher wir kommen und wohin wir möglicherweise gehen, hat dieses Märchen auch etwas mit der Gegenwart zu tun, mit unseren Problemen, mit dem, was unsere Gesellschaft, unsere Stadt, zusammenhält und was sie spaltet: mit dem Fremden unter uns, mit dem Fremden zwischen uns, mit dem Fremden in uns.

DER SCHWED erzählt deshalb auch eine zeitlose Geschichte über christliche Nächstenliebe und Fremdenhass und über die Erziehung dazu, über Anpassung und Widerstand.

(Aber wir erzählen nicht nur diese eine Geschichte, sondern auch viele kleine Geschichten. Für Erwachsene und Kinder, für Erwachsene, die sich noch ein Stück Kindheit bewahrt haben, und für die Kinder, die mehr oder weniger gern erwachsen werden wollen. Und natürlich erzählen wir schöne Geschichten für brave Kinder und Horror-Geschichten für ängstliche Kinder, die sie eigentlich nicht hören wollen, aber von denen sie den Hals nicht voll kriegen können. Und wir erzählen sie mit allen Mitteln, die das Theater zur Verfügung stellt: mit Musik, mit Lichtinstallationen, mit Puppen aller Art, mit Kostümen und Masken, mit Videoprojektionen und leibhaftigen Monstern)

Alles in allem eine zeitgenössische Geschichte, die „hinter den sieben Bergen“ spielt. Aber wenn wir uns umdrehen, sind diese direkt hinter uns.