Kino

Der Affront

  • Oscarnominiert und Publikumspreis auf dem FünfSeenFilmFestival 2018
  • R+B: Ziad Doueiri – K: Tommaso Fiorilli – M: Éric Neveux - D: Adel Karam, Kamel El Basha, Rita Hayek, Camille Salameh, Diamand Abboud – Libanon/F/B 2017, L: 113 Min.
Karten erhalten Sie eine ½ Stunde vor Filmbeginn an der Theaterkasse im Foyer.

Der libanesische Regisseur Ziad Doueiri bringt in seinem neuen Film das schwierige Erbe des Libanonkriegs in einem Gerichtsthriller auf den Punkt. „Scharon hätte euch alle auslöschen sollen!“ – Mit wutverzerrtem Gesicht brüllt der libanesische Automechaniker Toni diese sechs Worte, für die der palästinensische Vorarbeiter Yasser ihm mit einem heftigen Schlag zwei Rippen bricht. Es ist die zweite Eskalationsstufe eines Streits in der libanesischen Hauptstadt Beirut, bei dem aus jener sprichwörtlichen Mücke eine ganze Elefantenherde zu werden droht. Auslöser des Streits: Ein kaputtes Abflussrohr an Tonis Balkon, das Yasser eigenmächtig repariert, nachdem Schmutzwasser auf ihn herabgetropft ist. Der cholerische Wohnungsbesitzer schlägt die Konstruktion mit Inbrunst klein, worauf Yasser ihn als Scheißkerl beschimpft. “Was du gesagt hast, ist unakzeptabel. So fangen Kriege an“ bekommt Toni von seinem Vater zu hören. Und: „Das gesprochene Wort kann durch die richtige explosive Mischung die Durchschlagskraft einer Bombe entwickeln.“ Die Mischung in DER AFFRONT ist mehr als explosiv. Der Streit zwischen den beiden von vornherein ein Stellvertreterkonflikt: stellvertretend dafür, dass der libanesische Christ Toni aus ganz eigenen Gründen palästinensische Flüchtlinge wie Yasser hasst, stellvertretend auch für die möglichen Folgen einer nie aufgearbeiteten historischen Grausamkeit. Der Streit eskaliert und landet vor Gericht. Während die Anwälte streiten, während sich allmählich die Medien einmischen, während am Ende rechte Libanesen und palästinensische Flüchtlinge auf der Straße randalieren wird aus dem Film mehr als eine spannende Parabel über Ursache und Wirkung oder über die Auswüchse männlicher Egos – der Film zeigt die Traumata eines Landes und seiner Bewohner, die aus der Vergangenheit heraus bis in die Gegenwart wirken.