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Landsberg
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Theater


WAISEN

Das Schauspielhaus Wien erstmals in Landsberg Facebook Twitter
Schauspielhaus Wien
von Dennis Kelly
inszeniert und ausgestattet von Ramin Gray
mit Vincent Glander, Thomas Reisinger und Nicola Kirsch
www.schauspielhaus.at

Liam steht plötzlich bei seiner einzigen Schwester Helen im Esszimmer, wo sie gerade mit ihrem Mann Danny ein Candle-Light-Dinner beginnen wollte. Er ist voll Blut. Er habe einem jungen Mann helfen wollen, der verletzt war. Messerstecherei. Ein Araber. Er war bewusstlos. Dann plötzlich lief er weg. Scheibchenweise müssen sie ihm die Geschichte aus der Nase ziehen. Er verstrickt sich immer mehr in Widersprüche, seine Beteiligung, seine Motive verändern sich ständig. Im Stile eines Neil LaBute entsteht ein schleichender Thriller. Eine Beziehungskrise, Fremdenhass, falsche Moral und Loyalität entwickeln immer neue Ebenen während Helen ihren Mann überredet, ja fast erpresst ihrem Bruder zu helfen, unbeschadet und vor allen Dingen unbehelligt aus der Sache heraus zu kommen. Doch jedes Mal, wenn man sich als Beobachter wissend hinter die Fassade zu blicken glaubt, spinnen sich neue schockierende Netze um die drei, vier, fünf sechs Figuren des Stückes.
Dennis Kelly taucht immer wieder in die Tiefen der menschlichen Seele ab, diesmal sogar in die gesellschaftliche Seele der Gutmenschen, des common sense, der political correctness. Was anfänglich noch mit Anlehnungen an die realpolitische Situation der entstandenen Islam- und Ausländerfeindlichkeit oder –angst leicht zu interpretieren scheint, schnürt seine Schlingen immer fester um die kleinste politische und gesellschaftliche Einheit: Die Familie. Sie muss geschützt werden, in ihr wird Diplomatie betrieben, erpresst, gelogen. Die Befangenheit in ihr lässt andere Maßstäbe zu, lässt einen tun, was man nie tun würde, was man nicht tut. Loyalität ist der Gegner der moralischen Grundwerte? Und um alles weht der kalte Wind der urbanen Isolation.
Die Inszenierung unterstützt diesen Thriller auf engstem Raum im kleinsten Kreis durch unerbittliche Konzentration auf die Personen, so dass der Zuschauer ein Teil wird, Partei ergreift und wechselt. Zwischen Verständnis und Abscheu. Sie reduziert „Waisen“ auf einen Textthriller. Die teils derbe Sprache ist plakativ und entwickelt sich zum Platzhalter für die Sprachlosigkeit.
Wir freuen uns ganz besonders mit diesem schwierigen, aber sehr lohnenden Theaterabend dem Landsberger Publikum erstmals das Schauspielhaus Wien präsentieren zu können.

Der Autor, Dennis Kelly, geboren 1968 in London, studierte Drama und Theater am Goldsmiths College London. Stücke: Schutt (DEA 2004, Vestibül, Burgtheater Wien), Osama der Held (DEA 2010, Theater Essen) und Nach dem Ende (DEA 2007, Deutsches Theater Berlin), Liebe und Geld (DEA 2008, Theater Basel), Kindersorgen (DEA 2009, Theater Basel), DNA (DEA 2008, Staatstheater Mainz) und Waisen (UA 2009, Traverse Theatre, Edinburgh, in Koproduktion mit dem Birmingham Repertory Theatre und Paines Plough, London).

Ramin Gray, geboren 1963 in London, inszenierte am Théâtre de l’Odéon in Paris, am Liverpool Playhouse sowie bei der Royal Shakespeare Company und war bis 2009 Associate Director am Royal Court Theatre London. Inszenierungsauswahl: Motortown von Simon Stephens (UA 2006, Royal Court Theatre, eingeladen zu den Wiener Festwochen), Am Strand der weiten Welt von Simon Stephens (ÖE 2007, Volkstheater Wien, ausgezeichnet mit dem Karl-Skraup-Preis), Harper Regan von Simon Stephens (DSE 2008, Salzburger Festspiele in Kooperation mit dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg). Opern: Death in Venice von Benjamin Britten (2009, Staatsoper Hamburg/Theater an der Wien), Bliss von Brett Dean (EA 2010, Staatsoper Hamburg).
Nicola Kirsch wurde für ihre Rolle als Helen für den österreichischen Theaterpreis „Nestroy“ als beste Schauspielerin nominiert, einen Preis den schon namhafte Schauspielerinnen wie Kirsten Dene und Birgit Minichmayr erhielten.

Di 6. Mrz

20:00 UHR