Kino

Vom Ende einer Geschichte

  • Verfilmung des preisgekrönten Romans von Julian Barnes
  • R: Ritesh Batra – B: Nick Payne noch dem Roman von Julian Barnes – K: Chris Ross – M: Max Richter – D: Jim Broadbent, Charlotte Rampling, Harriet Walter, Michelle Dockery, Emily Mortimer – Großbritannien 2017, L: 108 Min.

Julian Barnes´ Roman handelt von der Tücke der Erinnerung und davon, dass unsere Vergangenheit eine mehr oder weniger gut erfundene Geschichte ist, die wir uns selbst erzählen. Es gehört zu jenen Büchern, die den Leser nicht mehr loslassen, weil es am Ende keine Auflösung gibt: Tony, der mit über 60 durch eine Erbschaft dazu gebracht wird, Ereignisse aus seiner Studentenzeit zu überdenken, hat auch am Schluss keine Klarheit darüber, was wirklich war. Wie adaptiert man eine solche Geschichte für die Leinwand, von der man nicht genau weiß, wie sie sich zugetragen hat? Eine erste Antwort auf diese Frage gibt der Film durch seine Besetzung: Jim Broadbent und Charlotte Rampling in den Hauptrollen signalisieren, dass man gewillt ist, mit Sorgfalt der literarischen Vorlage die Ehre zu erweisen. Mit dem Inder Ritesh Batra hat man einen Regisseur gefunden, der bereits in seinem Spielfilmdebüt “Lunchbox“ großes Talent darin gezeigt hat, von der Gefühlswelt seiner Figuren durch kleine, alltägliche Abläufe zu erzählen. Der Film bewegt sich einfühlsam zwischen Gegenwart und Vergangenheit, er illustriert die schwierige Beziehung zwischen dem unsicheren, übereifrigen jungen Tony und der schönen, aber auch sehr launigen Veronica. Die ungleiche Freundschaft, die Tony mit dem hochbegabten Adrian, der sich das Leben nahm, wird behutsam und respektvoll angedeutet. Der Film konzentriert sich aber größtenteils auf die Gegenwart, in der Tony zunehmend den Kokon seiner Selbstgenügsamkeit durchbricht und sich seinen Nächsten zu öffnen beginnt.