Tanztheater

1913 – Der Sommer des Jahrhunderts

  • Puppentheater nach dem Roman von Florian Illies in einer Fassung von Christoph Werner
  • Puppentheater Halle

1913, das Jahr, in dem unsere Gegenwart begann. In Literatur, Kunst und Musik werden die Extreme ausgereizt, als gäbe es kein Morgen. Zwischen Paris und Moskau, zwischen London, Berlin und Venedig begegnen wir zahllosen Künstlern, deren Schaffen unsere Welt auf Dauer prägte. Es ist ein Jahr, in dem alles möglich scheint. Und doch wohnt dem gleißenden Anfang das Ahnen des Verfalles inne. 1913, das Jahr vor dem Ausbrechen des ersten industriellen Weltkriegs. „Der Sommer des Jahrhunderts“, so bezeichnet der Schriftsteller Florian Illies das Jahr 1913 in seinem gleichnamigen Buch. Monat für Monat blättert er den Kalender auf und enthüllt das gesellschaftliche Leben eines widersprüchlichen Jahres zwischen zwei Epochen: Hitler und Stalin könnten im Park von Schönbrunn aneinander vorbeigelaufen sein. Oskar Kokoschka liebt Alma Mahler, die ihn nur erhören will, wenn er ein Meisterwerk schafft. Franz Kafka wirbt um Felice Bauer und hat die größte Sorge, dass sie in die Heirat einwilligt. Sigmund Freud und Carl Gustav Jung verfeinden sich. Es begegnen uns Rainer Maria Rilke, Gottfried Benn, Else Lasker-Schüler, die Brüder Heinrich und Thomas Mann, Karl Kraus, Franz Werfel. Das Who-is-Who der klassischen Moderne – oftmals hatten die heute unbezahlbaren Künstler kaum das Geld, um die Miete zu begleichen. Aus der Fülle an Materialien, Charakteren und Begegnungen destilliert dieser Abend Figuren und belebt Puppen in einer Séance, in der die Endlichkeit aufgehoben wird.

Regisseur Christoph Werner hat einen Satz von Albert Einstein im Blick, der besagt, dass die gesamte Energie des Universums nicht ausreicht, um die Zeit auch nur um eine einzige Sekunde zurückzudrehen. Dem Theater immerhin gelingt bisweilen das Wunder eines Abends, an dem die Vergangenheit in die Gegenwart leuchtet.

Wir freuen uns, das Puppentheater Halle nach „Die Liebe in Zeiten der Cholera“ heuer ein zweites Mal zu Gast zu haben und den Landsberger Puppentheaterfans diese außergewöhnliche Bühne mit dem gleichen Ensemble und einem wunderbaren Stück präsentieren zu können.